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Besinnung: Kein verlorenes Jahr

Kein verlorenes Jahr

Liebe Gemeinde,

das Kirchenjahr und das Jahr 2020 gehen dem Ende zu – und wir schauen auf ein ungewöhnliches Jahr zurück. Viele Pläne sind nicht aufgegangen, viele Erwartungen wurden enttäuscht. Es wurde viel Geduld verlangt von uns und wir warten immer noch darauf, dass wir zu gewohnten Umgangsformen zurückkehren können. 

Und in dunklen Stunden, da denkt vielleicht mancher beim Rückblick, dass wir auf ein verlorenes Jahr zurückschauen. Aber es war unsere Lebenszeit, die vergangen ist. Es ist unsere Lebenszeit, die vergeht. Wir können unsere Tage nicht aufheben für später, unser Leben nicht verlängern um die Zeit, die wir durch die Krise „verloren“ haben. 

Die Kinder, die im Sommer aus dem Kindergarten verbschiedet wurden, werden kein zweites Mal verabschiedet. Die Abiturient*innen erleben nicht ein zweites Mal den Sommer nach den Prüfungen. Und bei den Erwachsenen ist es nicht anders: keiner der Tage dieses Frühjahrs, kein Tag des Sommers kommt in der Variante „ohne Corona“ zurück.

Das Ende des Kirchenjahres erinnert uns daran, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist.

Zeit vergeht. Lebenszeit vergeht. Aber es ist nicht verlorene, sondern geschenkte Zeit. Die Zeit ist auch „mit Corona“ geschenkte Lebens-Zeit. Was wir erlebt und gelernt haben, das ist es auch im letzten Jahr wert gewesen. Es ist auch jetzt die Lebenszeit unserer Kinder, unserer Familien, es ist unsere Lebenszeit. Und die leben wir unter den Bedingungen, die es nun mal gibt. Im Jahr 2020 „mit Corona“.

„Meine Zeit steht in Deinen Händen“ heißt es im Psalm 31. Der Glaube kann dazu helfen, dass wir gelassen und geduldig das Beste machen aus der Zeit, die wir geschenkt bekommen; dass wir die Tage, die wir erleben, auskosten und nicht nur warten auf „die Zeit nach Corona“.
Kommen Sie gesund und zuversichtlich durch die anstehende Herbst- und Winterzeit – sie ist in Gottes Händen.

Ihr Pfarrer Jakob Spaeth

Letzte Änderung amMontag, 26 Oktober 2020 08:45
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