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Aufbrüche

Aufbrüche Baumstamm k13078wViele kleine und große Aufbrüche stehen bevor. Sommerferien, und hoffentlich einige sonnige Tage, Ausflüge und Reisen werden geplant. Aufbrüche aus dem Alltag. Aufbruch, für mich und meine Familie wird es ein Aufbruch sein aus einer gewohnten Umgebung, aus unserem Haus in Feuerbach, aus meiner Arbeitsstelle im Krankenhaus, in diesem Sommer!

Ein Umzug steht bevor, ein beruflicher Neuanfang in der Evangelischen Gemeinde in Obertürkheim. Wir sind alle drei (mein Mann Uwe Weltzien, unser 11-jähriger Sohn Simeon und ich) sehr gespannt auf unseren neuen Wohn- und Lebensort. Unsere großen Kinder Nadja, 29, Jakob 27 und Jan-Michael 25 begleiten uns aus der Ferne mit wohlwollendem Interesse.

Aufbrüche kennen wir... „Lech, Lecha…“ wie der Rhythmus einer Melodie begleiten mich diese hebräischen Worte aus Gen 12. Es ist die Aufforderung Gottes an Abraham: „Geh, mach dich auf….“ Gen 12, 1-3 Geh aus deinem Lande, verlass deine Sippe, deines Vaters Haus, und zieh in ein Land, das ich dir zeigen will. Ich will dich zu einem großen Volk machen Und dich segnen, und durch dich sollen alle Völker der Erde Segen empfangen. Nicht das ich mich mit Abraham vergleichen möchte, aber der Rhythmus des Aufbrechens durchzieht mein Leben.

Schon als ich vier Jahre alt war zog ich mit meiner Familie das erste Mal von Stuttgart aus nach Beirut in den Libanon. Mein Vater hatte einen Ruf an die Amerikanische Universität in Beirut bekommen.1999 zog ich das zweite Mal von Stuttgart aus nach Beirut, diesmal mit meiner eigenen Familie. Mein Mann und ich hatten die Pfarrstelle der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde in Beirut übernommen. Unser Gemeindegebiet umfasste den Libanon und Syrien. Im Sommer 2008 kehrten wir nach Stuttgart zurück, mein Mann nahm eine Stelle am Berufsschulzentrum in Leonberg an, wo er Religion und Psychologie unterrichtet. Unser Sohn Simeon kam in die erste Klasse und ich wurde mit einer 50% Stelle Krankenhausseelsorgerin im Rot Kreuz Krankenhaus und in der Baumann-Klinik im Karl Olga Krankenhaus. Zusätzlich arbeite ich als Tanztherapeutin in meiner eigenen Praxis.

Aufbrechen ist immer auch Abbrechen. Meine Mutter hatte Schwierigkeiten aufzubrechen. Auch wenn es nur für ein paar Tage war. Es war ihr Garten, der sie festhielt. Gerade dann würden die Tomaten reif werden, oder die Lilien aufblühen oder etwas wäre zu pikieren oder umzusetzen. Irgendetwas bricht immer ab, wenn man aufbricht und das macht es schwer.

Menschen, zu denen ich Vertrauen aufbauen konnte im Krankenhaus, die sich auf mich, auf meine Begleitung verlassen haben. Ich lasse sie zurück und das tut weh! Vieles, was ich noch hätte tun können, tun müssen, bleibt nun stehen. Jemand anders wird kommen, seinen eigenen Weg gehen….

Aufbrechen, Abbrechen und Neu anfangen, das ist ein Dreischritt, ein Dreiklang. Ich höre sie wieder, die Aufbruchsmelodie. Sie verknüpft sich mit dem arabischen Ostergruß:“ El Messich quam“ „Der Messias ist auferstanden“ worauf die Antwort lautet „ Haka quam“ „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ „Quum“ „steh auf“ „Qumeh“ „steh auf, du Frau“ Aufbrechen, aufstehen, und im Hintergrund die Botschaft von Ostern: Er ist auferstanden, wahrhaftig! Hier ist die Kraftquelle für alle Neuanfänge, für alle Übergänge. Im Leben und im Sterben sind wir eingebunden in diese Melodie. Jeder Abbruch, jeder Aufbruch ist eine kleine Vorübung dafür unser Leben wirklich in Gottes Hand zu legen. Unser eigenes Tun, den eigenen Garten wieder anderen zu überlassen, wir brauchen uns selbst nicht zu wichtig zu nehmen, sondern können uns bereit halten, abzugeben, aufzubrechen und wieder ganz neu zu beginnen. Dem Segen des Abraham auf der Spur, der uns verbindet in die großen Monotheistischen Religionen hinein. Wer aufbrechen kann spürt die Verbundenheit, die nicht abbricht, sondern bestehen bleibt. Verbundenheit mit den Menschen, mit denen ich zusammen gewachsen bin, Verbundenheit in die Welt hinein, die Natur, die mich umgibt und darüber erfahre ich die Verbundenheit, das Eingebunden sein, das Zurückgebunden sein, die Religion, Gottes Liebe, die mich umgibt. Ich bin nun sehr gespannt auf neue Verbindungen, einen neuen Boden auf dem wir wieder ankommen können.

Die Gemeinde in Obertürkheim lockte mich in ihrer Vielfalt und der Bandbreite der Themen, auch wenn die unterschiedlichen Bedürfnisse und Ansprüche an die Gemeindearbeit nicht leicht zu vereinen sein werden. Im Sinne unseres Urvaters Abraham wird sich Verbindendes ergeben! Ich wünsche Ihnen gute große und kleine Aufbrüche in der Ferienzeit und freue mich darauf, Sie, meine neue Gemeinde, kennen zu lernen!

Ihre Friederike Weltzien

Letzte Änderung amFreitag, 13 Mai 2016 10:18
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