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Andacht: Eine kleine Reise

schmetterling auf blumeAndacht

Eine kleine Reise

Liebe Leser und Leserinnen in Uhlbach und Obertürkheim,
Wenn sie möchten können wir eine kleine Reise machen, wir fahren hinüber auf die andere Seite des Neckar, setzen uns in Rohracker in die ehemalige katholische Kirche und dann ist es uns, als säßen wir in Bagdad, oder irgendwo anders im Irak. Fremde Klänge umgeben uns dort, es ist der Priester, der singt, er hat eine schöne weiche Stimme, orientalische Melodien. Er singt die chaldäischen Gebete. Die Diakone und die Diakonin und die Gemeinde antworten im Wechselgesang, ein Chor singt von der Empore. Das Weihrauchgefäß wird heftig geschwenkt und ganze Wolken umnebeln einen Jeden. Einen großen roten Teppich haben die neuen Nutzer der katholischen Kirche in den Chorraum gelegt. Dieser rote Teppich symbolisiere das Blut der Märtyrer, erklärt mir Frau Younia Hilbert, die sich seit vielen Jahren für das Bestehen der Gemeinde einsetzt und regelmäßig im Gottesdienst ministriert. Es handelt sich hier um die Chaldäisch-katholische Gemeinde Mar Shimon Bar Sabbai in Stuttgart.


In die Weihrauchwolken hinein weben sich Bilder, die in den letzten Monaten aus dem Irak zu uns gesendet wurden. Bilder von zerstörten Kirchen und fliehenden Menschen, Bilder von Flüchtlingstrecks und Zeltstädten? Bilder von Priestern in langen schwarzen Gewändern mit einem großen Kreuz auf der Brust, die die Geschichten ihrer zerstörten Gemeindehäuser erzählen und von der Flucht der Vielen!
Wenn wir dort sitzen, auf der anderen Seite des Neckar, sitzen wir neben den Frauen, die sich einen Schleier übers Haar gelegt haben und den Männern, die auf der Kniebank ins Gebet versinken. Wir werden hineingenommen mit der Geste des Friedensgrußes und dürfen nach dem Gottesdienst vielleicht die Kleinigkeiten probieren, die eine Familie mitgebracht hat, in Erinnerung und zu Ehren des in Bagdad verstorbenen Onkels. Menschen, fern ihrer Heimat, schaffen sich ein neues zu Hause im Klang ihrer Sprache und im Ritus ihrer uralten Tradition. Eine kleine Enklave Irak, mitten in Rohracker. Hier sind sie verschont von den Verfolgungen in ihrem Heimatland und die Kirche, der wöchentliche Gottesdienst wird zum Ankerpunkt ihrer Identität. Sie erleben Sicherheit und Geborgenheit und bereiten so den inneren Boden um in der fremden, ihnen unbekannten Kultur Stuttgarts neu zu beginnen.


Ich lade sie ein zu reisen, in diesem Sommer, auch wenn es manchmal nur die andere Neckarseite sein braucht um in eine neue fremde Welt einzutauchen.
Allen die sich aufmachen in den Ferien und in die weite Welt hinein ziehen, wünsche ich eine frohe und unbeschwerte Ferienzeit und eine Prise Dankbarkeit dafür, das wir eine Heimat haben in die wir heimkehren können.
Ihre Friederike Weltzien

Foto: D. Lüken

 Monatssprüche August bis Oktober 2015:

August:
Jesus Christus spricht: Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.
Mt 10.16

September:Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
Mt 18,3

Oktober:
Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?
Hiob 2,10

 

Wichtiger Hinweis an unsere Leserinnen und Leser

Da das späte Ende der Sommerferien im September Redaktionstätigkeiten für die Oktober-November-Nummer sehr erschwert hätte, hat sich die Heilix-Blättle-Redaktion entschlossen, Ihnen in diesem Sommer eine Ausgabe für drei Monate zusammenzustellen.
Die nächste Ausgabe wird dann Ende Oktober erscheinen und für die Monate November und Dezember gelten. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Die Redaktion

 

Letzte Änderung amDienstag, 03 Mai 2016 16:40
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