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Warum? Wozu? Gottesdienst?

Warum? Wozu? Gottesdienst?

Macht das noch Sinn? Wer kommt denn noch dahin? Gottesdienst ist nichts für mich? Was habe ich denn davon? Was ist es, was ich an Gottesdiensten schätze oder vielleicht sogar liebe?

Liebe Gemeindeglieder,
ich wende mich hier besonders an die Gemeindeglieder von Obertürkheim, aber ich denke, die Uhlbacher und Uhlbacherinnen dürfen sich auch angesprochen fühlen. Ich spreche nicht von den Nachtschicht­gottesdiensten, an denen die Kirche rappelvoll ist, sondern von den ganz normalen Sonntagen im Ablauf der Jahre. Als evangelische Pfarrerin sind Gottesdienste das Kernstück meiner Arbeit in Obertürkheim. Ich verwende viel Zeit und Liebe auf die Vorbereitung. Es ist ein spannender Prozess, wie ein Gottesdienst entsteht, wie er wächst und wie er dann schließlich zu dem wird, was sich am Sonntagmorgen in der Kirche ereignet. Denn letztendlich ist das nie so ganz vorhersehbar. Wie werden die Lieder, der Psalm und die Lesung wirklich zusammenpassen? Was wird der Organist, die Organistin spielen? Welche Wirkung wird der Text entfalten? Und die Predigt? Ich gebe zu, eigentlich ist es ganz und gar unzeitgemäß, so eine Art der Veranstaltung. Für Comedians ist das noch akzeptabel. Eine Ein-Mann / Eine-Frau-Show? Es gibt keinen Dialog, keine Gesprächsgruppen oder Ähnliches. (Manchmal schon…) Ein Gottesdienst wird gestaltet in der Hoffnung, dass ein Funke springt, dass ein Gedanke berührt, dass sich das Herz öffnet für eigene Gedanken und Empfindungen. Ein Beziehungsraum soll ein Gottesdienst sein, soll die Kirche sein, die Beziehung von Mensch zu Mensch als Gemeinde, die Beziehung zu den uralten Worten und Texten der Bibel. Auch viele der alten Lieder sind faszinierende Zeugnisse von Menschen, die in ganz anderen Zeiten ihr Leben gestaltet haben. Gottesdienst ist ein Beziehungsraum zwischen Gott und den Menschen. Gottesdienst ist ein Ort der Ruhe und der Besinnung auf das Wesentliche im Leben. Wenn man heraustritt aus allen Ablenkungen des Alltags, lassen sich die Gedanken sammeln, ich kann zu mir finden. Ich werde mitgenommen in Urgeschichten der mensch­lichen Religiosität, in die großen Fragen des menschlichen Lebens zwischen Geburt und Tod. Antworten aus archaischen Gesellschaften bis zu den Einsichten moderner Philosophie mögen aufscheinen. Die großen biblischen Visionen von der Gerechtigkeit Gottes? Wie sehen wir das heute? Wenn wir uns in der Gemeinde umschauen, mag sich so manches Fenster auftun zu dem, was wir Reich Gottes nennen. Da, wo die Botschaft der Liebe Gottes erfahrbar geworden ist. Und vielleicht kennen Sie das Gefühl, ich empfinde es manchmal wie einen Schauer, wenn man erlebt, dass hier etwas geschieht, was größer ist als ich? Theologisch würde ich es so ausdrücken, dann hat mich der Heilige Geist wohl gestreift? Lassen Sie sich einladen zu diesen besonderen Erlebnissen an einem ganz normalen Sonntagmorgen.
Ihre Pfarrerin Friederike Weltzien

Letzte Änderung amFreitag, 08 Februar 2019 11:50
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