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Besinnung: „Fülle“

Tulpen vor Albkulisse © Martin Eisele-Remppis, Stuttgart Tulpen vor Albkulisse

Liebe Gemeinde,

es gibt jeden Tag so viel zu tun: dies und das – und dann kommt noch die Steuererklärung fürs letzte Jahr dazu. Und am nächsten Tag kommen wieder andere wichtige Dinge, die erledigt werden sollen. Mit dem Kleinklein der tausend Dinge kann man Tag um Tag verbringen, ohne dass es einem langweilig wird. Nur leider geht manchmal fast unter, dass das unser Leben ist, das wir da leben. So bleibt, wenn alles erledigt ist, was sich aufgedrängt hat, am Ende des Tages manchmal ein schaler Geschmack zurück. Wie kommt das, wenn doch so vieles erledigt ist?
Im Vorüberrauschen der Stunden kann es passieren, dass ich gar nicht mehr unterscheide, was genau ich eigentlich tue. Dabei ist die Frage wichtig: habe ich heute nur das Wichtige erledigt oder war auch Wesentliches mit dabei? Die Unterscheidung von Wichtigem und Wesentlichem sortiert mein Leben noch einmal anders. Nicht das, was am lautesten schreit, ist das, was für mein Leben die größte Bedeutung hat, also wesentlich ist. Ein Abendgebet drängt sich nicht auf, aber es kann meinen Tag abrunden. Ein Gottesdienstbesuch ist nie „wichtig“, aber er kann „wesentlich“ für mich sein. Ein Gespräch über das, woran ich glaube, ist nie dringend, aber es kann das Leben reich machen.
Im Alter mit den Kindern über die Patientenverfügung zu sprechen ist natürlich wichtig – und manchmal sogar dringend geboten. Aber das Leben bekommt eine andere Tiefe und Fülle, wenn ich auch über Wesentliches spreche, zum Beispiel darüber, was Sterben und Tod für mich bedeuten und wann für mich das Leben „erfüllt“ ist.

Die Fülle des Lebens erfahre ich nicht im Erledigen der tausend Dinge, sondern wenn ich mir Zeit nehme, innezuhalten und mich auf das Wesentliche zu besinnen. Der Glaube hilft mir dabei. Im Glauben kann ich entdecken, was wesentlich ist, sich aber selbst nicht in den Vordergrund drängt. Im Kolosserbrief 1,19 heißt es: „Denn es hat Gott gefallen, alle Fülle in Jesus Christus wohnen zu lassen.“

Die Fülle des Lebens zeigt sich im Wesentlichen. Der Blick auf Jesus führt uns dorthin.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Fülle des Lebens erfahren.

Ihr Pfarrer Jakob Spaeth

Letzte Änderung amFreitag, 05 April 2019 12:43