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Rückblick Nachtschicht

Rückblick

Nachtschicht Winnenden k15438„Zugabe-Rufe für Bourani und Rosa"

So titelte die Waiblinger Zeitung nach der Kirchentags-Nachtschicht in Winnenden. Das Evangelische Gemeindeblatt zitierte dagegen Uli Schlumberger: „Der heißeste Nachtschicht-Gottesdienst aller Zeiten. Beides stimmt und zeigt das große Glückserlebnis dieses Tages: Trotz brüllender Hitze fanden sich 1500 Kirchentagsbesucher und Gäste aus dem Winnender Umland um 13.30 Uhr auf dem schattenlosen Rasenareal vor der Bühne am Rems-Murr-Klinikum ein und waren selbst beim Nachspiel des Ludwigsburger Blechbläßerquintetts noch begeistert dabei und munter. Kein Sanitäter musste ausrücken, dafür wurde der Gottesdienst in alle Zimmer das Klinikums live übertragen. Sie hörten die „Ansage" von Professor Hartmut Rosa zur sozialen Energiewende, die dann auch über SWR4 ins Ländle gefunkt wurde: „Wir sollten unsere Energien – die individuellen und die gemeinsamen – anders einsetzen: nicht nur dem Wachstum, dem Wettbewerb und der Wirtschaft dienlich machen, sondern neue Formen der Energie für soziale Verbindung und soziale Beziehungen finden und mobilisieren. Diese könnten dann auch extreme Formen der Entfremdung, wie die Vereinsamung verhindern."Wer seine Energien für andere einsetzt, der verliert sie nicht, sondern bekommt sie über beglückenden Resonanzbeziehungen wieder zurück, das ist die zentrale Botschaft von Rosa. Wie wir solche Resonanzbeziehungen erlernen können und wie dies unsere Schullandschaft verändern sollte, erklärte wenige Wochen zuvor Professor Gerald Hüther in der voll besetzten Jugendkirche: „Wir leben in einer Welt, in der wir gelernt haben, andere Menschen zu Objekten unserer Vorstellungen, Wertungen, Maßnahmen, Hoffungen, unserer Bewunderung zu machen. Wenn ich einen anderen Menschen zu einem Objekt mache, begegne ich ihm aber nicht. ... Wenn wir wollen, dass Menschen ihre Begabungen zur Entfaltung bringen, dann müssten wir eine Umgangskultur entwickeln, in der man sich wirklich aufeinander einlässt und begegnet. In dem Augenblick, in dem ich mit Ihnen in eine vertrauensvolle Begegnung komme, kann ich mir all Ihr Wissen downloaden und sie können meins downloaden. Das ist das große Geheimnis, wie man ohne große Anstrengung seine geistigen Kapazitäten vergrößert: indem man lernt, mit anderen Menschen so zusammenzuarbeiten, dass tatsächlich Austausch stattfindet. Und deshalb ist es das Wichtigste, das Schüler in der Schule lernen sollten, dass sie die Fähigkeit erwerben, mit anderen Menschen in eine solche Beziehung zu kommen: Vom ich zum du und nicht zum „es". Und der richtige Ausdruck für so eine Begegnungskultur heißt Liebe.

 

Solche liebevollen und bildenden Begegnungen fanden in und um die Nachtschichtgottesdienste 2015 in hoher Anzahl statt. Vor allem Dank des großen Mitarbeiter/innen-Teams die vor, während und nach den Nachtschichten in Aktion sind und so zeigen, dass die soziale Energiewende heute schon stattfindet – alleine 25 junge Menschen auf der Bühne in Winnenden. Ihnen gebühren die kräftigsten „Zugabe-Rufe" und der Dank der Bundestagspräsidentin a.D. Rita Süssmuth: „Was ich heute hier erlebe, damit gehe ich nach Hause mit neuer Kraft. Danke!" Frau Süssmuth zeigt auch, dass ihr Dank nicht nur leere Worte sind: sie übernimmt die "Schirmherrschaft" für eine der Nachtschichten 2016 zum Thema Gerechtigkeit, wenn Dr. Katja Hilgenstock, Vorstand von „Ärzte ohne Grenzen", zu Gast sein wird. Lassen Sie sich heute schon herzlich zu solch interessanten Begegnungen im nächsten Jahr einladen.

Ralf Vogel

Letzte Änderung amDienstag, 03 Mai 2016 16:40