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Ehrfurcht vor dem Leben

Ameise k14229wDa sind sie wieder: die niedlichen kleinen fleißigen Ameisen. Sie haben einen wunderbaren Plan ausgetüftelt, wie sie vorbei an der Zuckerdose in der Küche über den Vorratsschrank noch kurz am Brotkasten entlang wieder hinaus über eine geheime Pforte das Haus verlassen können. Man kann eine sogenannte Ameisenstraße mit Hilfe natürlicher oder chemischer Mittel zerstören und die Ameisen töten.

Für Albert Schweitzer (1875-1965) waren sie Lebewesen, denen er dasselbe Recht zum Leben zubilligte, das er selbst beanspruchte. Also streute er für "seine" Ameisen Zucker zur Nahrung und hielt sie so von seinen Büchern fern.

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will" hieß seine Devise. Das Leben aber erforderte Ehrfurcht. Danach handelte er, als er mitten in Afrika als Arzt zu wirken begann. Seine ersten Patienten behandelte er in einem Hühnerstall. Erst nach seiner zweiten Ankunft in Lambaréné im afrikanischen Gabun konnte er das Hospital errichten, das noch heute für viele Afrikaner die erste Anlaufstelle im Krankheitsfall darstellt. Um seiner "Ehrfurcht vor dem Leben" gerecht zu werden, gab er eine verheißungsvolle Karriere als Theologe, Philosoph und Musikwissenschaftler auf. In all diesen Bereichen hatte er schon Bahnbrechendes geleistet. In der Leben-Jesu Forschung hat er ein wichtiges Buch geschrieben. Er konnte auch gut Orgel spielen. Aber auch sein Orgelspiel stellte er in den Dienst am leidenden Nächsten. Die Einnahmen aus seinen Konzerten widmete er seinem Krankenhaus.

Albert Schweitzer erhielt 1953 den Friedensnobelpreis, den er 1954 entgegennahm. Er wurde für viele Menschen ein Vorbild für gelebten Glauben. Angefeindet wurde er immer wieder wegen seines Pazifismus. Er befürwortete vorsichtig eine einseitige Abrüstung. Das machte ihn in den Augen vieler Politiker suspekt. Spendengelder wurden weniger. Trotzdem lebt sein Werk in Afrika weiter.

Lambaréné gibt es noch. Und stellen Sie sich vor, ein Uhlbacher Gemeindeglied hat dort in jüngster Zeit als angehender Mediziner gearbeitet und für eine Doktorarbeit geforscht. Er wird am Pfingstmontag davon berichten.

Und unsere niedlichen kleinen Ameisen? Sie sind Geschöpfe Gottes wie wir. Vielleicht können Sie Ihren Küchenplan etwas umstellen und kleine Umleitungen einbauen. Vielleicht bringt Albert Schweitzers Gedanke „Ehrfurcht vor dem Leben" Sie aber auch zu einer geduldigen und ehrfurchtsvollen Haltung zu den lieben kleinen fleißigen Mitgeschöpfen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit
Herzlichst
Ihre Pfarrerin
Margarete Goth

Letzte Änderung amFreitag, 13 Mai 2016 10:09